Dem Krebs davonlaufen

Dem Krebs davonlaufen

Dem Krebs davonlaufen 1400 600 Untire

Mit großem Dank an Steve Pake, der dieses Blog ursprünglich auf seiner Website schrieb.

Dies ist die Geschichte von Steve Pake.

Dies ist die Geschichte von meinem 4 Jahre dauernden Kampf, um meinen Körper nach der Krebserkrankung wieder zurückzubekommen. Ich konnte ohne Hilfe kaum noch laufen. Es gab Komplikationen, Rückschläge und Widerstände bis zum schlussendlichen Durchbruch, dass ich 5 Kilometer in 30 Minuten laufen konnte. Ich habe unterwegs eine Menge gelernt.

Ich habe vor 4 Jahren Hodenkrebs überlebt. Bis heute kämpfe ich täglich mit Muskelmüdigkeit, Schwäche und anderen von der Chemotherapie hervorgerufenen Neuropathiesymptome. Ich habe mit dem Joggen angefangen, das war meine Art des Gegensteuerns. Jahrelang konnte ich nur kurze Runden um den Block drehen – egal wie sehr ich mich auch bemühte. Aber ich habe durchgehalten. Jetzt kann ich regelmäßig 5 Kilometer unter 30 Minuten laufen. Dies ist meine Jogging-Geschichte und das Protokoll meiner körperlichen Genesung nach dem Krebs!

Nach meinem Kampf gegen den Krebs war ich körperlich noch jahrelang aus dem Feld geschlagen. Vor der Erkrankung konnte ich morgens um sechs Uhr aufstehen und um sieben Uhr mit der Arbeit anfangen. Die Mittagspause habe ich durchgearbeitet, um vier Uhr war ich wieder Zuhause. Es folgte eine Stunde Sport, dann habe ich um fünf Uhr meine Kinder abgeholt. Abends war dann immer viel Trubel. Gegen elf oder zwölf Uhr ging ich schlafen. Am nächsten Morgen schellte der Wecker und alles ging von vorn los. Ich war unbesiegbar. Meine Energie war grenzenlos. Mein Körper tat, was ich wollte und wann immer ich es wollte. Auch wenn ich wenig geschlafen hatte. Nach dem Krebs waren diese Zeiten vorbei. Die vier Runden Chemotherapie haben mir schwer zugesetzt und die retroperitoneale Lymphadenektomie hat mir den Rest gegeben. Nach dem Krebs hatte ich Probleme, um sieben Uhr aus dem Bett zu kommen. Den ganzen Tag über hatte ich mit Müdigkeit zu kämpfen. Selbst ganz einfache Bewegungen waren so anstrengend als würde ich schwere Gewichte heben. Ich konnte auch nicht mehr so wie früher bis Mitternacht aufbleiben. Ich war völlig erledigt, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam. Um 21 Uhr abends war dann für mich Sendeschluss. Vor der Erkrankung war ich in Bestform. Danach war davon nichts mehr übrig.

Nur wenige Wochen nach meinem Kampf gegen den Krebs habe ich eine neue Stelle angenommen. Meine neuen Kollegen wurden von einem gespenstisch-bleichen Typen mit ein paar Fuseln Haar auf dem Kopf begrüßt. Ich konnte kaum aufrecht stehen, eine Runde laufen oder mein Gleichgewicht behalten ohne mich irgendwo festzuhalten. Vom Treppensteigen bekam ich akute Atemnot. Und es wurde immer schlimmer als ich Nervenschmerzen bekam, die den ganzen Tag andauerten. Ich konnte nicht lange stillsitzen. Dann stellten sich stechende Schmerzen ein. Die Kollegen waren schockiert als ich mal wieder gekrümmt vor Schmerzen da lag. Dann kam ich dahinter, dass eine meiner Nieren kurz vor dem Versagen stand. In der Folge meiner Operation bekam ich eine Lymphzyste die gegen den Harnleiter meiner linken Niere drückte. Durch die damit verbundene Harnstauung bekam ich Hydronephrose. Ich kämpfte mit Organversagen. Darum waren meine Kreatininwerte auch so in die Höhe geschossen. Wirklich klasse! Als dann eine Feinnadelpunktion und ein Alkohol-Sklerose-Verfahren auch nichts mehr brachten, hatte ich nicht nur unglaubliche Schmerzen, sondern auch sechs Monate lang einen Nierenstent. Das machte sogar jegliche Bewegung schwierig und unangenehm. Ich hatte das Gefühl, dass es mir immer schlechter ging. Ich war zwar froh, dass ich noch lebte. Mein körperlicher Zustand jedoch war ein kontinuierlicher Kampf. Meine Lebensqualität war alles andere als gut.

Viele meiner körperlichen Beschwerden waren auf die Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie zurückzuführen. Platinhaltige Chemotherapien schmelzen zwar Hodentumore weg, sind aber für ihre schädigenden Auswirkungen auf die Nerven und den restlichen Körper berüchtigt. Ich hatte nach meinem Kampf gegen den Krebs buchstäblich jeden Tag das Gefühl, mit halbvollem Tank unterwegs zu sein. Ich war kontinuierlich müde und fühlte mich schwach. Meine Arme und Beine brannten und kribbelten. Meine Füße waren taub und gefühllos. Außerdem hatte ich Schmerzen, Reflexprobleme und wenig Gleichgewicht. Die Ärzte sagten mir, dass sich diese Symptome im Laufe des Jahres nach der Behandlung verbessern würden. Ich habe also ein Jahr durchgehalten. Danach war es Ende 2012 und mein Körper hatte sich noch immer nicht erholt. Ich habe herumgedoktert und mich durchgebissen. Die Genesung lag noch in weiter Ferne. Als klar wurde, dass viele meiner Beschwerden wahrscheinlich chronisch sein würden, drohte mich der Mut zu verlassen. Ich bekam unglaubliche Angst.

Das war meine Situation: Ich war Mitte 30 und hatte noch ein ganzes Leben vor mir, mit zwei jungen Kindern und einer quirligen Familie. Gleichzeitig kämpfte ich jeden Tag mit heftigen körperlichen Schmerzen. Eigentlich sollten dies die besten Jahre meines Lebens sein. Ich dahingegen fühlte mich wie ein gebrochener alter Mann. Trotz allem war ich immer froh, dass ich noch lebte. Jedoch war es nicht das Leben, das mir nach der Erkrankung vorschwebte. Die Lebensqualität war sehr gering. Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Nichts hat mir mehr Glück und Freude bereitet als meine Familie. Jedoch wurden meine Kinder jedes Jahr ein Stück größer und schneller. Ich befürchtete, dass sie ihren „alten Vater“ eines Tages hinter sich lassen würden. Den Vater, der aufgrund seiner Probleme nirgendwo mehr hinkonnte und keine Anstrengungen mehr unternehmen konnte. Ich hatte den verdammten Krebs zwar besiegt. Dennoch war ich nicht der lachende Sieger. Ich habe die gesamten Umstände gehasst.

Meine Kinder sind toll und sie waren immer das Wichtigste in meinem Leben. Ich fürchtete mich zu Tode, dass sie eines Tages ihren „alten“ Vater hinter sich lassen würden.

Ich hatte viele joggende Freunde. Einige von ihnen waren ehemalige Krebspatienten, die ich in den vergangenen Jahren kennengelernt hatte. Ich hatte in früheren Zeiten schon einmal versucht, mit dem Joggen anzufangen und wieder aufgegeben. Jetzt inspirierten mich meine Freunde mit ihren Anstrengungen für Krebswohltätigkeitszwecke. Sie leisteten dafür harte Arbeit. Ich hatte zwar bereits Spaziergänge gemacht und das half auch gut. Ich dachte aber, dass ich vielleicht etwas härter zu mir selbst sein sollte und beschloss, es mit dem Joggen noch einmal zu versuchen. Erwartungsgemäß konnte ich am Anfang weder lange noch sehr schnell laufen. Ich versuchte auf meiner Spazierroute einige Abschnitte zu joggen und dann wieder auf Spaziertempo zurückzuschalten. Wunder geschehen immer wieder – ich brauchte dazu nur ein kleines bisschen zu joggen!

Am nächsten Abend nach diesem ersten Lauf lag ich im Bett und wollte gerade einschlafen als ich plötzlich aufrecht im Bett saß und mir schockartig etwas klar wurde! Mein Gott, sagte ich zu meiner Frau. Ich habe heute keine Nervenschmerzen gehabt! Ich hatte den ganzen Tag keine Schmerzen gehabt. Auch die 20-30 Minuten dauernden Nervenschmerzen und Muskelspannungen, die ich jeden Abend vor dem Einschlafen hatte, fielen weg. Das bemerkte auch meine Frau. Die ganze Sache war für sie ebenso schmerzlich und entmutigend wie für mich! Wo viel Liebe ist, ist auch Mitgefühl. Als würde jeder Anfall von Nervenschmerzen auch ihr wehtun. Sie konnte mir nicht helfen und hat sich machtlos gefühlt. Wir waren alle beide sprachlos! Die Intensität und die Auswirkung des Joggens hatten mein Nervensystem buchstäblich gut trainiert. Es hatte scheinbar auch eine beruhigende Wirkung. Zuvor hatte ich schreckliche Medikamente wie beispielsweise Lyrica genommen. Sie linderten zwar die Nervenschmerzen, jedoch fühlte ich mich als hätte mich ein Bus überfahren. Meine Frau beschwor mich die Tabletten zu nehmen. Es war so schwer für sie, mich leiden zu sehen. Ich aber hatte mir fest vorgenommen, die Pillen nie wieder anzurühren. Jede Tablette, die ich jemals eingenommen habe, hatte immer mehr Nebenwirkungen als dass sie half. Die Medikamente schienen alles nur zu verschlimmern! Wenn Joggen alles war, was ich für ein Leben ohne Schmerzen brauchte, dann würde ich es tun! Ich war sofort süchtig nach Joggen.

Die vielen Vorteile des Joggens

Ich brauchte gar nicht so viel zu joggen, um auch anderen körperlichen Nutzen zu verspüren. Phasenweise hatte auch zu wenig Testosteron. Die Hormonschwankungen setzten mir heftig zu. Von den Stimmungsschwankungen ganz zu schweigen. Der Stress, der mit dem Überleben von Krebs verbunden ist, war sicherlich ein Faktor. Die Hormonschwankungen kamen noch hinzu. Als es mit meinem Testosteronlevel abwärts ging, hatte ich tiefe Depressionen. Ich fühlte mich tagelang elend, richtungslos, sehr gereizt und asexuell. Das konnte Wochen anhalten. Am Morgen nach so einem Elendstag hatte ich noch nicht einmal Lust, mich zu rasieren. Trotzdem zwang ich mich zum Joggen – egal wie fürchterlich ich mich fühlte. Ich lief so schnell ich konnte. Und wenn ich nicht aufgab, habe ich mich immer besser gefühlt. Einfache Spaziergänge hätten für diesen Zaubertrick wohl kaum ausgereicht. Mit dem Joggen habe ich meinen Körper und meine Hormone wieder auf die Reihe bekommen.

Als ich Ende 2012 mit dem Joggen anfing, war ich auch emotional ein Wrack. Einer meiner Freunde war gerade an Krebs gestorben und einige andere hatten einen Rückfall. Ich selbst hatte gerade eine ziemlich schlechte Zeit hinter mir, in der ich davon ausging, dass der Krebs wieder da war und ich sterben würde. Bei mir brach Panik aus. Ich bin unter Tränen eingeschlafen und hatte Todesangst. Aus Vorsorge hatte ich bei den nächsten Arztterminen einige Tests vornehmen lassen. Alles schien in Ordnung zu sein. Mein Körper war in Ordnung. Die Gefühle jedoch überspülten mich. Eine endlose Reihe verdrängter Erinnerungen, unausgesprochene Ängste und Gefühle, die ich zwei Jahre lang unbewusst in Schach gehalten hatte, brachen sich Bahn. Ich bekam eine Depression und kämpfte mit posttraumatischem Stress. Ich hatte solche Angst und konnte die Wirklichkeit nicht mehr von diesen Ängsten unterscheiden. Angst und Adrenalin haben mir fast die ganze Zeit so zugesetzt, dass ich emotional völlig fertig war. Das Joggen funktionierte als Ventil für diesen Schmerz und verlieh mir Energie. Wenn man sich so eingeengt fühlt, ist das Joggen etwas ganz Besonderes – nicht auf einem elenden Laufband, sondern draußen mit dem Wind im Gesicht. Das allein schon hilft, die negative Energie loszulassen und ein Gefühl der Ruhe freizusetzen.

Das Wichtigste an der Sache: Die Zeit, die ich jeden Tag meistens in meiner Mittagspause fürs Joggen einplante, war auch die Zeit, die ich brauchte, um mein Leben neu zu ordnen. Ich erkannte die Notwendigkeit, mein Leben nach dem Krebs vollständig neu aufzubauen. Wo aber würde ich die Zeit finden, neben einem aufreibenden Job und einer quirligen Familie mein Leben wiederaufzubauen? Joggen war für mich mehr als nur Sport. Es war mehr als nur ein Gegensteuern bei körperlichen Beschwerden. Joggen entwickelte sich zum wichtigsten Termin, den ich mit meinem Geist, Körper und meiner Seele vereinbarte. Meine Zeit zum Joggen war die einzige Zeit des Tages, in der ich mich nicht um Arbeit, Familie oder sonstwas zu kümmern brauchte. Es war Zeit ganz für mich allein. Und diese Zeit wurde schnell lebenswichtig für mich.

Stuart Scott beschrieb sein Training nach den Chemokuren als seine höchstpersönlichen „Leck mich am A****, Krebs“-Momente. Das Gleiche gilt für mein Joggen in der Mittagspause. Alle durchlebten Ängste ließ ich beim Laufen los. Ich rannte so schnell ich konnte. Die letzten paar hundert Meter setzte ich oft zum Sprint an und dachte „Leck mich am A****, Krebs“. Manchmal schrie ich es auch aus mir heraus. Ich wusste nicht mehr, wer ich war und was ich nach dem Krebs wirklich brauchte. Das Joggen war der Moment, der alles lösen sollte. Ich habe mir nie Musik angehört. Ich habe tief in meine Seele geschaut und mich gründlich mit meinen Überzeugungen und Behauptungen auseinandergesetzt. Langsam aber sicher begriff ich, wer und was ich wirklich war, was meine persönlichen Bedürfnisse waren, wo der wirkliche Ursprung vieler meiner Probleme lag und was ich daran ändern konnte. Wie mein joggender Mentor einmal zu mir sagte: „Manchmal ist Joggen das einzig Sinnvolle.“ Am Anfang verstand ich nicht, warum das so war. Aber es stimmte. Das Joggen war eine absolut logische Sache. Laufen war das Ventil, das ich brauchte. Es war etwas, das ich jeden Tag tun konnte – auch wenn ich größtenteils Spazierenging und nur kleine Strecken wirklich joggte.

Verdammt, wenn ich es tue – verdammt, wenn ich es nicht tue

So nützlich das Joggen für mich war, so frustrierend war es auch. Ich konnte nie mehr als ein paar Blocks gleichzeitig joggen. Schon gab mein Körper auf und ich konnte nicht mehr. Egal, wie sehr ich auch weiterlaufen wollte. Die wenigen Male, in denen ich wirklich nicht Halt machte und mich zwang, noch etwas weiter zu joggen – selbst nach vielen Monaten des Versuchens – bin ich doch wieder körperlich zusammengebrochen. Ich konnte kaum sprechen, ich konnte kaum laufen oder meine Arme heben. Mein ganzer Körper fühlt sich schlapp an. Einmal war es so schlimm, dass ich fast meine Frau anrufen musste, um mich abzuholen. Ich wusste nicht mehr, wo ich war. Als ich endlich wieder in der Lage war, nach Hause zu taumeln, musste sie mir helfen, die Treppe zum Schlafzimmer hinaufzusteigen. Da bin ich dann um 19 Uhr umgefallen. Ich war völlig am Ende. Am nächsten Morgen konnte ich mich immer noch nicht bewegen. Meine Frau musste mir den Toilettenstuhl bringen, den ich zuletzt während der Chemotherapie benutzt hatte. Ich konnte nämlich nicht einmal mehr aufstehen und ins Badezimmer gehen. Ich kam an dem Tag erst zur Mittagspause auf der Arbeit an. An den darauffolgenden Tagen hatte ich es körperlich schwerer als jemals zuvor. Ich kam kaum ins Auto hinein und wieder heraus. Das Lenken beim langsamen Fahren auf Parkplätzen bereitete mir Schwierigkeiten. Sogar tippen und sprechen waren eine Herausforderung.

Ich wusste zuerst nicht, was los war und hätte fast eine Parkerlaubnis für Behinderte beantragt. Aber irgendwo tief in mir wusste ich, dass ich mich übernahm und viel besser mit meinem Körper umgehen musste. Ich wurde gezwungen, zu akzeptieren, dass mein Körper schlicht und einfach nicht in der Lage war, so schnell zu laufen – auch wenn mein Leben davon abhängen würde. Ich war nicht außer Atem, mein Herz schlug mir nicht bis zum Hals und meine Muskeln explodierten nicht. Ich hatte mein Nervensystem in Not gebracht. Mein Hausarzt diagnostizierte damals eine Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie. Normalerweise ist Nervenmüdigkeit eins der letzten Müdigkeitsstadien von Joggern. Bei mir trat sie in umgekehrter Reihenfolge vor allem anderen auf. Mein Nervensystem war ganz klar mein größter Schwachpunkt. Es konnte mit dem Rest nicht mithalten. Ich musste lernen, dies zu akzeptieren und innerhalb dieser Grenzen zu leben.

Ich hatte mir selbst zum Ziel gesetzt, 5 Kilometer in oder unter 30 Minuten zu laufen. Das ist an sich ein einfaches Anfangsziel für Jogger. Für mich schien es aussichtslos zu sein. Freunde von mir fingen mit dem Joggen an und konnten die 5 Kilometer ziemlich schnell unter 30 Minuten laufen. Von solchen Zeiten konnte ich nur träumen. Ich musste mich mit einem 50/50-Mix aus Spaziergang und Laufen durch mein Viertel begnügen. Normalerweise schaffte ich die 5 Kilometer damit in 34-36 Minuten. Es gab auch Tage, an denen ich es kaum in 40 Minuten schaffte. 5 Kilometer in 33 Minuten waren damals meine Bestzeit. Danach war ich allerdings körperlich völlig am Ende. Meine Einschränkungen waren entmutigend. Ich habe meine Grenzen kennengelernt und habe mich in diesem Rahmen bewegt. Ich musste die tägliche Menge an körperlicher Bewegung sorgfältig einteilen und mit der Ruhe am Abend zuvor austarieren. Meistens durfte ich froh sein, mich überhaupt bewegen zu können. Nach einiger Zeit merkte ich gut, was ich am jeweiligen Tag konnte und was nicht ging. Meine Lebensqualität hat sich mit dem Finden der für mich richtigen Balance erheblich verbessert. Ich war allerdings noch immer über meine Einschränkungen frustriert. Das alles stand in schrillem Kontrast zu der quasi unbegrenzten Energie, die ich vor meiner Krebserkrankung hatte.

Neben dem Frust, dass ich nicht gut laufen konnte, gab es auch noch den Blues der kalten Wintermonate. Kaltes Wetter war vorher nie ein Problem. Nach der Krebserkrankung jedoch kamen mit der Kälte auch Schmerzen. Und das in einer Heftigkeit, die ich bis dahin nicht kannte. Ich fühlte mich steif bis völlig bewegungslos. Ich fühlte mich die ganze Zeit über miserabel. Vor allem an den kürzesten Tagen des Jahres fühlte sich mein Körper an, als wolle er für ein paar Monate einpacken und überwintern. Vielleicht lag es am Älterwerden, an der Zunahme der Neuropathiesymptome oder anderen seltsamen Nebenwirkungen der Chemotherapie, die niemand begreift: Die Wintermonate waren für mich eine ausgesprochen miserable Zeit. Aber auch dabei hat das Joggen geholfen! Nochmals: Wenn ich nicht aufgab – egal wie fürchterlich ich mich fühlte – und mich selbst zum Joggen zwingen konnte, fühlte ich mich jedes Mal besser. Meine Schmerzen, meine Laune und alles andere verbesserte sich. Ich konnte mich einigermaßen wie ein Mensch fühlen, wenn ich es schaffte, ein paar Mal in der Woche zu joggen. Im Winter sah es so aus als hätte ich Sand im Getriebe. Joggen wirkte wie ein Schmiermittel und hielt meinen Körper in Bewegung.

Ich habe mich jedes Mal aufs Joggen gefreut. Ich wusste, wie ich mich nach dem Joggen fühlen würde. Das hat mich immer wieder motiviert. Geholfen haben auch Gebet, Meditation und die Analyse der furchtbaren Gedanken, die mir durch den Kopf schossen. Man braucht im Internet nicht lange nach Beweisen zu suchen, dass regelmäßige körperliche Bewegung nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist gut ist. Ich habe nie mit dem Laufen aufgehört und immer weitergemacht. Ich war froh, dass ich ohne Schmerzen lebte und sich meine Lebensqualität verbessert hatte – ohne diese furchtbaren Tabletten, die ich zuvor brauchte. Ich war mit dem Aufbau meiner Kraft und Kondition zufrieden. Ich akzeptierte, dass dies alles war, was ich jemals erreichen konnte. Die Zeit zum Joggen war für mich lebenswichtig und hatte mit dem Erreichen einer bestimmten Zeit nur bedingt zu tun. Natürlich wollte ich die 5 Kilometer noch immer unter 30 Minuten laufen. Irgendwo in meinem Hinterkopf war ich frustriert, dass ich davon noch weit entfernt war. Ich erwartete von meinem Körper nicht, dass ich einen halben oder ganzen Marathon in dem rasenden Tempo meiner Joggingfreunde laufen konnte. Es ging nur um 5 Kilometer unter 30 Minuten. Das war mir ein Dorn im Auge.

Der große Durchbruch kam 2015 – nach zwei Jahren Joggen

2013 und 2014 habe ich jeweils 480 Kilometer gejoggt. Kein einziger dieser Kilometer war einfach. Ich musste wirklich durchhalten und um jeden Kilometer kämpfen. 2015 änderte sich auf einmal alles. Ich hatte von Ende 2014 bis in die ersten Monate von 2015 aufgrund einer Verletzung eine Joggingpause eingelegt. Meistens ging ich spazieren. Meinen ersten Lauf von 2015 unternahm ich, nicht weil mein Körper soweit war, sondern um posttraumatischen Stress abzubauen. Am Montag, den 16. März wurde ich auf der Arbeit plötzlich furchtbar nervös und ängstlich. Im Laufe des Wochenendes hatte sich so einiges aufgetürmt. Ich konnte überhaupt nicht mehr nachdenken oder mich konzentrieren. Als ich darüber nachdachte, was da um Gotteswillen mit mir geschah, hatte ich auf einmal visuelle Flashbacks der Chemotherapie – einschließlich der Gerüche, Geräusche und furchtbaren Gefühle. Es stellte sich heraus, dass ich an genau jenem Tag vier Jahre zuvor mit der Chemotherapie angefangen hatte. Ich hatte diesen Meilenstein bis dahin nicht weiter beachtet. Aber mein Geist erinnerte mich von selbst daran. Als würde sich mein Unterbewusstsein an etwas erinnern und sich vor einer Wiederholung fürchten. Ich hatte diese Torturen häufiger miterlebt und wusste, dass heute genau einer dieser Tage war, an denen ich joggen musste. Ich habe es immer abscheulich gefunden, einen verletzten Körper zum Joggen zu zwingen. Es war riskant und ich konnte mich erneut verletzen. Das würde mich Monate zurückwerfen. Wenn sich allerdings posttraumatischer Stress ankündigt, muss man tun, was notwendig ist.

Ich bin an jenem Tag vielleicht etwas weiter gegangen als mein normaler 50/50-Mix aus spazieren gehen und joggen vorzieht. Aber insgesamt habe ich mich schon an mein Programm gehalten. Als ich die Zeit für die 5 Kilometer sah, blieb mir der Mund offenstehen: 32:52. So schnell war ich noch nie. Das war ein neuer persönlicher Rekord! Ich hatte monatelang nicht wirklich gejoggt und war darauf auch nicht vorbereitet. Auch vorher schon schaffte ich es nicht unter 33 Minuten ohne einen Nervenzusammenbruch zu bekommen. Ich war so besorgt, dass ich meiner Frau beinahe eine „Zusammenbruchwarnung“ schicken wollte. Ich dachte, ich wäre zu weit gegangen und würde später Probleme bekommen. Aber ich habe den Rest des Tages problemlos überstanden und konnte am nächsten Morgen auch eigenständig wieder aufstehen. Ich war schockiert. Ich dachte, es sei ein Zufallstreffer. Vielleicht kam es durch das Adrenalin, das durch posttraumatischen Stress freigesetzt wurde und mir Flügel verlieh. Aber ganz so groß war die Angst dann auch wieder nicht. Verglichen mit den vorigen posttraumatischen Stress-Perioden war dies hier eine Kleinigkeit. Ich habe viel schlimmere Perioden überstanden. Alles verlief wesentlich langsamer. Ich wusste, dass dies nicht direkt mit dem Umfang der Angst oder des Adrenalins zusammenhing. Ein paar Tage nach der Zeit von 32:52 bin ich wieder laufen gegangen. Ich wollte wissen, ob es ein Zufallstreffer war. Ich schaffte es mit 32:25 eine noch bessere Zeit hinzulegen und habe keinen Moment Angst gehabt. Außerdem merkte ich, dass sich das Joggen jetzt auch ganz anders anfühlte. Anders als in der Vergangenheit hatte ich nicht das Gefühl, dass mein Körper schon nach ein paar Runden aufgibt. Auch das brennende Gefühl der Überanstrengung im ganzen Körper war weg. Es war eher Muskelkater, den ich beim Joggen in den Beinen fühlte – was natürlich auch die richtige Reihenfolge der Dinge wäre. Das hier war ganz klar anders.

Ich war endlich über die Schwelle hinweg und kam der Sache immer näher!

Eine surrealistische Erfahrung. Quasi aus dem Nichts und nach zwei Jahren Joggen ohne Fortschritte hatte ich einfach so meinen persönlichen Rekord auf 5 Kilometern gelaufen. Ich fühlte, dass ich noch mehr erreichen konnte! Ich hatte keine Ahnung, was passiert war oder was sich verändert hatte. Aber das Gefühl war unbeschreiblich. Zwei Tage später hatte ich beschlossen, die Sache ernstzunehmen und erlaubte mir, mit voller Kraft zu joggen. Ohne die als Schutz gedachten Einschränkungen, die ich mir bis dahin auferlegt hatte. Es ist gut, sich selbst ab und zu herauszufordern, um zu sehen, was man kann. Die Tränen strömten mir übers Gesicht als ich die 5 Kilometer in 30:24 zurücklegte. Das ist ein Tempo von 9:48 Minuten pro 1,6 Kilometer. Da dämmerte es mir, dass ich irgendwo und irgendwie einen riesigen Schritt gemacht hatte und dass mein Körper nicht mehr so eingeschränkt war wie zuvor. Ich habe mein Ziel nicht nur erreicht, sondern mit einem Tempo von 10 Minuten pro 1,6 Kilometer sogar noch übertroffen. Zum ersten Mal war der Lauf von 5 Kilometern unter 30 Minuten nicht nur Fantasie und Traum, sondern zum Greifen nahe. Ich konnte es schaffen. Ich brauchte nur noch 8 Sekunden pro 1,6 Kilometer schneller zu laufen.

Die Jagd auf die 5 Kilometer unter 30 Minuten

Der nächste Lauf war ein paar Tage später. Allerdings stellte sich das gute Gefühl nicht ein. Ich war müde und konnte den ersten Kilometer nicht schnell genug laufen. Ich beschloss, es langsam anzugehen. Darum lief ich die 5 Kilometer in 33:14. Das war immer noch eine Zeit, die ich zwei Jahre zuvor fantastisch gefunden hätte. Jetzt aber war sie mir zu langsam. Ich habe mich selbst nicht im Geringsten entmutigen lassen. Mein Gott! Ich war weit gekommen! Am Montag, den 30. März ging ich raus und lief die Strecke in 30:57 und einem Gesamttempo von 9:58. Ich war sehr zufrieden. Es war kein persönlicher Rekord. Aber ich wusste, dass ich auf dem richtigen Weg war. Es hatte mich zwei Jahre gekostet, um diese scheinbar unüberwindbare Schwelle zu nehmen. Muskelmüdigkeit und Probleme mit dem Nervensystem hatten jeden Schritt problematisch gemacht. Es hätte mich problemlos noch zwei weitere Jahre kosten können, diese Schwelle zu nehmen. Aber es reichte aus, dass der Erfolg zum Greifen nah war und ich konnte weiter joggen.

Zwei Tage später, am 1. April 2015 und dem Beginn des Hodenkrebsmonats, fühlte ich mich wirklich gut. Mit den vorigen Läufen hatte ich meinen Körper ein wenig aufgebaut. Meine Familie und ich machten uns auf den Weg zu einer Woche mit Frühjahrsabenteuern. Das war für die kommende Woche die letzte Chance, zu joggen. Nichts würde mich stoppen. Ich wollte es so sehr, dass ich es nicht nur riechen, sondern auch schmecken konnte. Es war ein perfekter früher Frühlingstag. Wenn es jemals einen Tag gegeben hat, an denen meine Biorhythmen oder wie man sowas auch bezeichnen möchte, gut waren, dann war es an jenem Tag. Ich fühlte mich gut und ausgeruht. Morgens plagte mich keine Müdigkeit und ich fühlte mich startklar.

Ich streckte mich und der Lauf begann. Alles fühlte sich gut an. Kein Muskelkater oder andere Zeichen von Müdigkeit. Ich fühlte mich als würde ich fliegen. Ich lief den ersten Kilometer und achtete auf das, was mein Körper mir signalisierte. Und er signalisierte mir, einfach weiterzumachen. Auf dem nächsten Kilometer kamen die Gedanken. Alle klassischen mütterlichen Ratschläge: Wenn Du Dich geistig für etwas einsetzt, kannst Du alles erreichen. Eine lange Zeit war mein Geist der einzige bereitwillige Teilnehmer an meinem Laufabenteuer. Ich erinnerte mich an Stuart Scott, der so viel über „Jimmy V“ schrieb und sprach. Es gibt vor allem um sein berühmtes Statement bei den ESPY-Awards 1993: „Gib nicht auf, gib niemals auf!“ Man kann mir eine Menge Dinge aufzählen, aber niemand von ihnen hat je aufgegeben. Nach dem dritten Kilometer erinnerte ich mich daran, dass Lance Armstrong schrieb, dass er seine letzten Etappen in Richtung Sieg fast mühelos hinter sich brachte. Man muss schon auf einer einsamen Insel gelebt haben, um nicht zu wissen, dass Lance ein falsches Spiel spielte. Aber das hat jeder auf seinem Niveau getan. Ich habe kein falsches Spiel gespielt. Ich lief weiter und schneller als jemals zuvor. Es fühlte sich fast mühelos an. Ich habe nur drei sehr kurze Spazierpausen gemacht und auch nur auf Streckenabschnitten, die mich sowieso zu einem langsameren Tempo zwangen. Sofort danach legte ich wieder richtig los. Es war ein Tempo von 9:40 erforderlich, um die 5 Kilometer unter 30 Minuten zu laufen. Nach der letzten engen Kurve auf dem Weg zum Ziel brannten meinen Augen als ich auf der Uhr 9:38 sah! Ich wusste, dass ich es geschafft hatte und ich das letzte Stück nicht zu sprinten brauchte. Ich hatte diesen Erfolg in der Tasche! Ich musste nur noch darauf achten, dass ich nicht stolperte oder mit einem Auto zusammenstieß!

Auf dem letzten Stück der Strecke liefen mir die Tränen in Strömen über die Wangen. Alle Erinnerungen an Schmerzen und Frustration über meinen Körper sowie alles Elend brachen sich Bahn. In den vergangenen vier Jahren hatte ich mich jeden Tag wie ein alter Mann gefühlt. Ich war müde, müde und nochmals müde. Jeder Tag kostete mich allergrößte Mühe. Ich war zwar immer froh, noch am Leben zu sein, hatte aber gleichzeitig das Gefühl, eine schwere Last auf der Schulter zu tragen. Diese Last hielt mich davon ab, mein Leben in vollen Zügen zu leben. Nach zwei Jahren harter Arbeit konnte ich diese Last endlich abschütteln! Alle Tage, an denen ich so frustriert und verletzt war, alle Tage, an denen ich schlicht und einfach aufgeben wollte, weil ich doch nicht weiterkam, alle Opfer, die ich erbracht hatte – dieser bittersüße Moment machte alles wieder gut. Als ich die 5 Kilometer hinter mir hatte und die Uhr piepte, war klar, dass ich es geschafft hatte, sie in 29:44 und einem Tempo von 9:33 zu laufen. Endlich geschafft! Ich hatte mein Ziel mit mehr als nur ein paar Sekunden übertroffen. Ich war euphorisch.

Endlich ein bittersüßer Sieg. Unter 30 Minuten an einem perfekten Frühlingstag! Ich lachte, habe geweint und nachgedacht. Jede Sekunde dieses unglaublichen Moments nach Jahren harter Arbeit habe ich genossen.

Im Gegensatz zur Vergangenheit, in der großartige Momente sich abwechselten ohne, dass ich sie wirklich wahrnahm, nahm ich mir jetzt die Zeit, alles wirklich zuzulassen. Anstatt von einem Termin zum nächsten zu hetzen, habe ich jede Minute genossen. Ich saß da, ich lachte, ich habe geweint und nachgedacht. Ich habe Selfies gemacht und Berichte an Freunde geschickt, die meinen Kampf kannten. Bei diesen Freunden konnte ich sicher sein, dass sie meine Freude über diesen großen persönlichen Sieg teilen würden. Ich fühlte mich nicht mehr wie ein alter Mann. Ich fühlte mich 20 Jahre jünger als ich war. Mir war prophezeit worden, dass ich nie wieder laufen könnte. Und nun, nach Jahren unermüdlicher Versuche hatte ich endlich bewiesen, dass sie Unrecht hatten. Und nicht nur das: Ich habe den Rest des Tages gut verbracht, bin meinen Kindern im Park hinterhergelaufen, bin Fahrradgefahren. Am nächsten Morgen um halb sechs hatte ich immer noch genug Kraft, um ohne Hilfe aufzustehen. Mein unermüdliches Joggen hat sich als Schlüssel für die ewige Jugend erwiesen. Es hat mir geholfen, die Uhr zurückzudrehen. Joggen war nicht nur der Schlüssel, um meinen Geist zurückzubekommen, sondern es hat mir auch meinen Körper zurückgebracht.

Ich habe viel gelernt

Gib niemals auf und höre nie auf, an Dich selbst zu glauben – mit dieser Haltung, die mir über so viele emotionale Traumata und Unruhe hinweggeholfen hat, schaffte ich auch meine körperlichen Herausforderungen. Gib niemals auf und höre nie auf, an Dich selbst zu glauben! Ich musste meinen Kurs aufgrund geistiger Gesundheitsprobleme oft anpassen. Das gilt auch für meine körperlichen Herausforderungen. Ich habe viele Niederlagen erlebt und meinen Körper regelrecht in den Abgrund getrieben. Aber ich habe nie aufgegeben. Ich bin immer wieder aufgestanden und habe so lange neue Dinge ausprobiert bis ich die richtige Form der Bewegung für mich gefunden hatte. Mit den Vorteilen, die für mich wichtig sind und die meinem Körper guttun.

Geduld und Durchsetzungsvermögen – ich habe gelernt, mit meinem Körper Geduld zu haben und nachsichtig zu sein. Mir wurde irgendwann klar, dass es nicht sinnvoll ist, mich mit meinen gesunden Freunden zu vergleichen. Sie hatten nämlich keine Hormonschwankungen, keine Chemotherapie und alle damit verbundenen Schädigungen der Nerven. Anstatt mich darauf zu konzentrieren, was ich nicht konnte, habe ich gelernt zu schätzen und zu akzeptieren, was noch funktionierte. Daran habe ich mich festgehalten bis ich das richtige Gleichgewicht fand und wusste, wie weit ich gehen konnte, ohne zusammenzubrechen. Immer wieder verweigerte mein Körper den Dienst. Aber ich habe mit dem Joggen weitergemacht und hatte kein Mitleid. Es ist nur ein einziges Mal vorgekommen, dass ich im Bett geblieben bin. Das war ein Tag, an dem ich mich ganz schrecklich fühlte. Ich fühlte mich nicht nur unglaublich schuldig. Mir fehlte auch der Kick, den ich normalerweise bekam. Da habe ich mir selbst versprochen, nie wieder zu versagen.

Die Widerstandsfähigkeit unserer Körper – Als ich monatelang meine Runden drehte, wusste ich nicht, dass mein Körper wirklich auf das reagierte, was ich tat. Ganz langsam, viel zu langsam um irgendetwas zu merken, verbesserte sich mein Körper und gehörte wieder mir. Vielleicht hätte sich ein Teil der Genesung auch von selbst eingestellt. Aber die Vorteile von Joggen und körperlicher Bewegung sind hinreichend bekannt. Ich denke nicht, dass es viele Menschen gibt, die behaupten, dass die ganze Bewegung nicht geholfen hat, um ein solches körperliches Comeback zu fördern und zu beschleunigen! Wir dürfen unseren Körper niemals unterschätzen. Er ist in der Lage, sich selbst zu heilen und zu verbessern – auch wenn Ärzte es bereits lange aufgegeben haben!

Die Bedeutung von Prioritäten – Wenn man zu hören bekommt, dass man ohne Sport und andere Änderungen des Lebensstils ein Kandidat für einen Herzinfarkt oder eine andere lebensbedrohende Krankheit ist, nimmt man sich plötzlich Zeit für körperliche Bewegung. Denn die Angst vor dem Tod ist größer. In meinem Fall erwachte mein Körper nicht nur zu neuem Leben. Ich wollte nämlich nicht nur leben, sondern wollte auch ein Leben ohne Schmerzen. Meine Familie unterscheidet sich nicht von anderen Familien: viel los, Doppelverdiener, zwei Kinder, Stunden- und Tagespläne, penibel geplantes Wegbringen und Abholen sowie uferlose Aktivitäten nach der Schule und am Wochenende. Egal. Ich musste mir die Zeit einfach nehmen. Ich konnte meinen Körper morgens kaum in Bewegung kriegen und abends war ich ziemlich schnell erledigt. Das Mittagessen mit meinen neuen Kollegen habe ich wirklich immer genossen, und sie haben mich gut unterstützt. Trotzdem musste ich damit aufhören. Meine Mittagspause war der einzige Moment des Tages, an dem ich gut und vernünftig trainieren konnte. Es verlieh mir Energie und alle anderen Vorteile, die ich brauchte. Zögere nach einer Krebserkrankung keinen Moment, das zu tun, was sich für Dich richtig anfühlt. Selbstpflege und Selbsterhaltung müssen die höchste Priorität genießen. Das Sprichwort stimmt: Du kannst andere erst dann lieben und für sie sorgen, wenn Du Dich selbst liebst und für Dich selbst sorgen kannst. Die Selbstpflege kam bei mir an erster Stelle, um körperlich und geistig genesen zu können. Dadurch konnte ich auch wieder der Mann sein, den meine Frau liebte und brauchte. Und der Vater, den meine Kinder wirklich brauchten.

Jetzt kann ich dieser Vater sein. Joggen durchs Viertel und hinter meinen Kindern herlaufen, wenn sie Fahrrad fahren. Ich habe dieses Foto aufgenommen, nachdem ich an jenem Tag 5 Kilometer in einem Tempo gejoggt bin, das mich in den vergangenen Jahren vollständig fertig gemacht hätte. Und abends hatte ich auch noch genug Kondition, um mit meinen Kindern aktiv zu sein! Übung macht den Meister!

Mit dem Joggen anzufangen, ist das Allerbeste,
was ich nach der Krebserkrankung jemals gemacht habe

Früher dachte ich, dass Jogger verrückt sind. Ich habe mich immer gefragt, warum sie sich selbst so viel Schmerzen bereiten. Selbst die Satire-Website The Onion hat dazu eine brillante Parodie gebracht. Aber inzwischen verstehe ich es. Ich verstehe es wirklich. Wenn man gegen den Krebs kämpft, hat man immer viele Arzttermine. Das medizinische Fachpersonal wird ziemlich schnell ein großer Teil des eigenen Unterstützungsnetzwerks. Stress und Angst sind beim Kampf gegen den Krebs riesig. Nach dem Krebs wird es auch nicht weniger. Gerade dann nicht, wenn man die Unterstützung verliert, die man während der aktiven Behandlung hatte. Joggen ist dann eine Verabredung mit sich selbst, um den Körper zu regenerieren, Stress und Angst zu reduzieren und die Seele zu beruhigen. Die Zeit zum Joggen ist für mich lebenswichtig geworden. Es funktioniert als Ventil und ist jetzt fester Bestandteil meines Tagesplans. Mit dem Joggen anzufangen war die beste Idee, die ich nach der Krebserkrankung hatte.

Ich sah einen passenden Aufkleber auf einem geparkten Auto während ich dieses Essay beendete – zusammen mit einigen 13.1- und 26.2-Aufklebern. Ganz meine Meinung! Wer weiß, wie mein nächster Schritt aussieht. Mit allem, was ich erreicht und durchgesetzt habe, weiß ich jetzt, dass alles möglich ist!

Ein ganz spezieller Dank geht an alle meine Joggingfreunde. Vor allem aber an meinen guten Freund Alex Hohmann, der zwei Mal Hodenkrebs überlebt hat. Meine Joggingfreunde haben mich unermüdlich angefeuert. Aber vor allem Alex war eine riesige Quelle der Ermutigung, Begleitung und moralischer Unterstützung. Abgesehen davon, dass er auch ein besonderer Mensch und ein Vorbild ist. Alex war ein toller Mentor. Er geht immer mit gutem Beispiel voran. Die Welt braucht mehr Menschen wie Alex. Ich habe meine vertraute Jogginguhr „Garmin Forerunner 110 GPS“ von Alex gekauft als ich mit dem Laufen anfing. Er selbst wollte etwas noch Besseres haben. Dank der Unterstützung von Alex und meinen Joggingfreunden sowie einer Menge, Blut, Schweiß, Tränen und Engagement fühle ich mich endlich gut genug, um diese Uhr zu tragen.

Steve Pake

StevePake.com