Wie kannst Du einen Unterstützung SEIN, wenn es nichts gibt, was Du TUN kannst?

Wie kannst Du einen Unterstützung SEIN, wenn es nichts gibt, was Du TUN kannst?

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Mit Dank an Anna Crollman, My Cancer Chic, die diesen Text ursprünglich geschrieben hat. Das originale Blog steht hier: mycancerchic.com/supportivecaregiver. Mehr Infos über Anna findest Du auf ihrer Website: mycancerchic.com

Wenn Dein Partner oder Deine Liebste Krebs hat, sind das auch für Dich schwierige Zeiten. Während der aktiven Behandlungen gibt es deutlichere Richtlinien zur Art und Weise, wie Du am besten Unterstützung bieten kannst. Wie sieht es jedoch nach dem Abschluss der Behandlung aus? Viele Menschen denken, dass das die Ziellinie ist. Irrtum. Das Behandlungsende kann ganz im Gegenteil der Anfang von Depressionen, Angst und vielen anderen geistigen sowie körperlichen Herausforderungen sein. Der Kontakt zu Familie und Freunden wird weniger intensiv. Der Patient fühlt sich allein und vergessen. Heute interviewe ich meinen Mann und frage ihn nach der Art und Weise, wie Unterstützung aussieht, wenn man eigentlich nichts tun kann. Vor allem Männer haben damit Probleme. Ich hoffe, dass unser Gespräch neue Einsichten bietet.

Wie hat sich die Situation nach dem Behandlungsende verändert?

Es gab mehr Verwirrung über die weiteren Ziele. Das Ende der Chemotherapie war in Sicht und wir wussten nicht, was uns danach erwartete. Ich sah, dass sie Probleme mit Angst und Depressionen bekam und über die Frage „Was jetzt?“ grübelte. Ich hatte das Gefühl, dass ich nichts tun konnte, um ihr zu helfen.

Wie hast Du festgestellt, was Anna braucht?

Ich habe sie einfach direkt gefragt. Durch die Art und Weise, wie wir im Laufe der Jahre unsere Beziehung aufgebaut haben, konnte ich darauf vertrauen, dass sie direkt und ehrlich sagen würde, was sie brauchte. Wenn sie dann etwas sagte, wusste ich, dass es auch wirklich stimmte. Wir hatten auch eine Liste mit Möglichkeiten für mich, um sie emotional zu unterstützen. Im Laufe der Zeit wurde die Liste immer länger. Wir haben dieses Thema kontinuierlich besprochen. Es war auch wichtig festzustellen, was ihr nichts nützte.

Welche meiner Unterstützungsversuche funktionierten gut?

Ich habe mich stets auf die Lösung von Dingen konzentriert und vor allem unterstützend zu SEIN anstatt alles Mögliche zu TUN.

Wenn Anna traurig war oder weinte, habe ich sie gefragt: „Möchtest Du, dass ich etwas für Dich tue oder soll ich einfach nur zuhören.“ Das war für mich eine schwierige Sache. Ich dachte kontinuierlich an Dinge, die ich tun könnte, um die Situation zu lösen. Wir haben uns dieser Sprache bedient. Das sorgte dafür, dass deutlich wurde, was ich tun musste. Außerdem verursachte ich nicht noch mehr Stress. Mit dieser Form der Kommunikation war ich in der Lage, Anna genau die emotionale Unterstützung zu bieten, die sie brauchte.

Der Schwerpunkt lag auf „unterstützend sein“ anstatt „Unterstützung bieten“.

Es war auch sinnvoll, Möglichkeiten zu finden, um ihr eine Privatsphäre zu geben. Sie war in Behandlung, wurde operiert. Ihr Körper wurde kontinuierlich untersucht. Bei Arztterminen habe ich immer angeboten, draußen zu warten, damit sie auch sehr private Fragen hätte stellen können. Sie hat das nie in Anspruch genommen. Es war aber klar, dass sie und die Ärzte diese Geste zu schätzen wussten.

Was funktionierte nicht gut?

Ich erreichte genau das Gegenteil, wenn ich versuchte, eine Situation oder Annas Sorgen zu relativieren. Wenn ich eine Situation oder ein Problem vereinfachte, um ihr zu helfen, hatte sie das Gefühl, ich nehme sie nicht ernst oder würde alles bagatellisieren. Ich vergaß manchmal, dass für mich unwichtige Dinge für sie sehr wesentlich sein konnten.

Welchen Rat würdest Du anderen Pflegepersonen geben, um ihnen zu helfen?

Versuche nicht, ihre Entscheidungen zu beeinflussen anhand dessen, was du selbst für richtig hältst. Es ist wichtig, sie wissen zu lassen, dass Du da bist, um sie zu unterstützen. Die Entscheidungen über ihren Körper kann nur sie selbst treffen. Du solltest ihr nicht versuchen vorzuschreiben, was sie mit ihrem Körper tun sollte. Sei vielmehr eine Informationsquelle, biete Unterstützung und habe ein offenes Ohr. Für Anna fühlte es sich so an, als würde sie die Kontrolle verlieren. Es gab Momente, in denen das Treffen einer eigenen Entscheidung der einzige Weg war, diese Kontrolle wiederzuerlangen.

Was heute wichtig ist, genießt oberste Priorität. Egal, was morgen wichtig ist.

Wenn die aktive Behandlung endet, ist es ausgesprochen wichtig zu wissen, dass Trauer auch ohne offensichtlichen Grund völlig in Ordnung ist. Auch wenn die Ursache der Trauer in dem Moment nicht deutlich ist, so hat sie auf jeden Fall das Recht zu fühlen, was sie fühlt. Belästige sie nicht mit Normen, wie sie sich fühlen sollte oder in welchem Zeitraum sie bestimmte Gefühle loslassen müsste. Besprich Deine Gefühle mit ihr. Es ist wichtig, dass sie weiß, dass sie nicht die einzige ist, die Angst hat. Du bist dazu da, sie zu unterstützen. Sie ist nicht dazu da, dass Du Dich besser fühlst.

Welchen Rat würdest Du Familie und Freunden geben, um Unterstützung zu bieten?

Während des aktiven Behandlungszeitraums wurden Mahlzeiten, Kartenspielen, Putzen und SMS-Berichte (die nicht sofort beantwortet werden mussten) sehr geschätzt. Anstatt „Kann ich etwas für Dich tun“ bietet sich die Frage an „wäre _____ nützlich“. Beispiel: „Wäre es nützlich, wenn ich morgen das Essen mitbringe?“ Erspare Dir selbst die Suche auf Google und ungefragte Ratschläge.

Merke: Nach einer aktiven Behandlung ist der Krebs noch nicht vorbei. Deine Angehörigen werden sich mit Emotionen und Gefühlen auseinandersetzen müssen, die so intensiv sind wie nie zuvor. Das Leben nach dem Krebs kann beängstigend sein. Es gibt keine Wegweiser für die Zukunft. Berücksichtige alle diese Aspekte und bringe das Thema Krebs dennoch zur Sprache. Es ist gut über den Krebs zu sprechen, es kann sogar eine therapeutische Wirkung haben. Es ist wichtig, Dich selbst zu fragen, wie sie sich nach der Behandlung wohl fühlen mag. Das zeigt ihr, dass Du verstehst, dass das Leben nicht auf einmal wieder ganz „normal“ ist.

Fortschritte

Akzeptiere, dass für sie noch nicht alles wieder in Ordnung ist und lasse sie wissen, dass es in Ordnung ist, über schwierige und beängstigende Themen zu sprechen. Ignoriere den rosa Elefanten im Zimmer nicht, fühle Dich aber auch nicht verpflichtet, dafür Verantwortung zu übernehmen. Sorge dafür, dass Du da bist und sei ein aufmerksamer Zuhörer. Sie möchte ihre Gefühle mit Dir besprechen und sich ernst genommen fühlen. Belästige sie nicht mit Bemerkungen wie „Zumindest lebst Du noch“, „Alles wird gut“ oder „Mache Dir keine Sorgen“. Wenn Sie nicht über ihre Gefühle sprechen möchte, ist das auch in Ordnung. Tue, was sie sagt oder frage ganz einfach: „Wie kann ich Dich heute unterstützen?“

Anna Crollman

My Cancer Chic
mycancerchic.com