Die Geschichte von Jelle

Die Geschichte von Jelle

Die Geschichte von Jelle 1200 630 Untire

Mit großem Dank an Jelle, dass er seine Geschichte erzählen möchte.

„Im Sommer 2012 war ich 20 und bin mit meiner Freundin ins Flugzeug gestiegen, um eine Reise nach Vietnam zu machen. Ich hatte zwar Rückenschmerzen, aber davon habe ich mir den Spaß nicht verderben lassen. Ferien sind ja schließlich genau der richtige Moment zum Erholen und Entspannen. Das hat leider nicht ganz geklappt. Nach drei Wochen mussten wir durch meine ungeheuren Rückenschmerzen die Heimreise in die Niederlande antreten.

Ich dachte direkt an einen Bandscheibenvorfall. Mein Hausarzt auch. Ein schwacher Rücken liegt in der Familie. Ich habe das Bett gehütet und die Beschwerden wurden immer schlimmer. Die Untersuchung im Krankenhaus war ein Schlag ins Gesicht: In meinen Rückenmark wuchs ein Tumor.

Gedanken und Gefühle sind in dem Moment Achterbahn gefahren. In mir stieg Panik auf. Wie konnte mir das passieren? Meine Kampfeslust war trotzdem ungebrochen. Schließlich war ich ein „gesunder“ und fitter Typ. Kurz nach der Operation war klar, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelte. Mit anderen Worten: Krebs. Das war ein heftiger Schlag. Von Rückenschmerzen nach Krebs – wo würde das enden? Oder war das hier jetzt erst der Anfang?

Nach der Operation habe ich noch 30 Bestrahlungen bekommen. Das war eine unsichere Zeit. Von Familie und Freunden habe ich viel Unterstützung bekommen. Und ich war müde, so unglaublich müde. Aktivitäten, die ich früher mühelos konnte, entglitten in die Unmöglichkeit. Zum Glück habe ich nach einem guten Befund meine Lebenslust wiedergefunden. Abgesehen von den Kontrollscans konnte ich dem Krankenhaus Adieu sagen. Inzwischen war es 2013 und ich konnte mich auf meine Genesung konzentrieren.

Nach 5 Jahren mit guten Befunden hatte ich das Vertrauen zu meinem Körper wiedergefunden. Ich hatte zwar noch immer Beschwerden, aber ich hatte mich tapfer geschlagen. Studium abgeschlossen, Weltreise gemacht, eigenes Unternehmen gestartet – ich freute mich auf die Zukunft. Gerade als es begann, einigermaßen gut auszusehen, brach der Sturm wieder los.

Januar 2018. Nach einigen undefinierbaren Beschwerden stellte sich im Krankenhaus heraus, dass ich Lymphknotenkrebs hatte. Was?! 26 Jahre alt und schon jetzt zwei Krebsarten? Wie ist das möglich?

Die Nachricht war natürlich schockierend. Aber ich war wildentschlossen, den Krebs abermals zu besiegen. Mich erwartete ein halbes Jahr Chemotherapie, nach der der Lymphknotenkrebs hoffentlich verschwunden war. Es war eine ungeheuer erschöpfende Behandlung. Mit meiner positiven Einstellung und ganz viel Unterstützung habe ich mich da gut hindurchgeschlagen.

Hochsommer 2018. Nach einem kurzen Urlaub und der wirklich nötigen Entspannung, erwartete mich ein nervenraubender Befund. Hatte ich den Krebs besiegt? Zum Glück gab mir mein Arzt direkt die erlösende Antwort: Alles ist weg! Mein Glück und meine Erleichterung kann ich kaum beschreiben. Wir haben die Champagnerflaschen entkorkt und das ganze Wochenende gefeiert.

Nach diesen wunderbaren Neuigkeiten musste ich mein tägliches Leben wieder aufnehmen. Damit begann eigentlich der schwierigste Teil. Jeder lebte sein Leben, mein Leben stand still. Mein Unternehmen musste ich während der Chemotherapie stoppen. Wie sollte es jetzt weitergehen? Außerdem machte mir vor allem extreme Müdigkeit zu schaffen. Zu allen möglichen Zeiten war ich plötzlich unerklärbar müde. Das hat mein tägliches Leben sehr beeinflusst. Verabredungen mit Freunden oder Einkäufe waren mir oft zu viel. Das hat mein Leben ganz schön eingeschränkt. 30 bis 40 % aller (ehemaligen) Krebspatienten leiden an tumorbedingter Fatigue. Aber das wusste ich zu jenem Zeitpunkt noch nicht.

Das hab ich herusgefunden als ich irgendwann morgens mit meiner Freundin einen Spaziergang durch unser Viertel in Utrecht machte. Das tun wir häufiger. Dieses Mal achtet ich jedoch auf die Namensschilder der Unternehmen, an denen wir vorbeikamen. Der Name „Tired of Cancer“ fiel mir natürlich direkt auf. Zuhause hab ich herausgefunden, dass dieses Unternehmen die Untire App entwickelt hat.

Die Untire App hilft zu verstehen, was tumorbedingte Fatigue ist. Sie bietet außerdem Übungen zur Reduzierung von Stress sowie Tipps zur Verbesserung Deines Energielevels und Deiner Gemütslage. Ich habe die App sofort genutzt. Das war genau das, was ich brauchte! Die App wurde speziell für (ehemalige) Krebspatienten entwickelt, die an Müdigkeit leiden. Untire wurde von Psychologen und Forschern aus dem Bereich Psychoonkologie entwickelt. Ihr Ziel ist es, möglichst vielen (ehemaligen) Krebspatienten zu helfen.

Inzwischen hat sich mein Energielevel erheblich verbessert. Ich freue mich, schreiben zu können, dass ich bereits seit einiger Zeit zum Tired of Cancer-Team gehöre. Es fühlt sich gut an, aus meiner eigenen Erfahrung heraus einen Beitrag zur Reduzierung von tumorbedingter Fatigue leisten zu können. Rückblickend kann ich feststellen, dass die Krankheit mich eine Menge gekostet hat, mir aber auch viel gebracht hat. Ich weiß jetzt, wie fragil das Leben ist. Darum lebe ich viel mehr im Augenblick und weiß alles viel mehr zu schätzen. Vor allem verrichte ich Arbeit, die ich wirklich bedeutsam finde. Das wünsche ich anderen auch.